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Der Versuch der Abstraktion Liebe Georgia, heute möchte ich dir von meinem blauen Stadtbild erzählen. Eigentlich wollte ich auf jegliche Gegenstandlichkeit verzichten und die reine Farbe zum Bildinhalt machen. Dazu benutze ich zum ersten Mal Aquarellfarben. Ich dachte mir, daß in diesem Fall das schnelle Trocknen der Farbe von Vorteil wäre, da es ja ‚nur’ um Farbflächen gehen sollte. Durch die schnelle Trockungseigenschaft, blieb mir das Mischen der Farben auf der Leinwand versagt. Also mischte ich auf der Palette, was mir jede Menge, oder beßer Maße, von schmutzigen und gräulich anmutenden Farben bescherte. Ich gab sie auf die Leinwand, was zur Folge hatte, daß die Farben, die ich beim Wickel hatte, immer im Vordergrund stand und keine Verbindung durch Mischen nach hinten hatte. Zu dem kam, daß die Leuchtkraft der Aquarellfarben im Vergleich zu ölfarben zu wünschen übrig ließ. Mittlerweile hatte das Bild so viele Kästchen, Linien und Kreise aufzuweisen, daß es eine Stadtansicht zeigte. Von dem Ziel nur Farbflächen zu schaffen, war ich weit entfernt. Die Farben wirkten nicht. Es folgten Tage des Betrachtens und des Analysierens. Einige wenige Stellen im Bild gefielen mir gut, andere fand ich scheußlich. Das war es nicht. Alles Mist. Die ganzen Tage meiner Betrachtungen, überlegte ich, was zu ändern wäre, um mehr herauszuholen. Was mache ich weg, um mehr zu bekommen. Es war schon unmöglich, weil alleine die Farbintensität zu wünschen übrig ließ. Das Bild war verloren, jetzt war es egal. Ich ließ es los. Da öl die Eigenschaft hat, auf Acryl zu halten, mischte ich mir meine Lieblingsfarben in öl an und legte los. Auf einmal ging es ganz einfach. Ich überarbeitete die scheußlichen Stellen des Bildes mit den leuchtenden Farben des öl und hielt mich an die Stadtansicht. Hier ein bißchen und da ein bißchen und fertig. Wenn ich das Bild betrachte, empfinde ich Energie - nur durch das Zusammenwirken der Farben. Daß es in der Komposition nicht ausgewogen ist, weiß ich. Die untere Bildhälfte ist nach rechts und links zu offen und gerade. Ich weiß auch, daß die hellen Türmchen in der Mitte des Bildes, wenn sie anders eingefügt wären, eine größere Dynamik erzielt hätten. Jetzt weiß ich es, nachdem es seit einem Jahr fertig ist. Ich muß es so stehen laßen, wenn ich es überarbeiten würde, könnte ich es vermalen und es wirkt ja trotzdem. Außerdem weiß ich stellenweise noch nicht, was ich tue. Es ist beßer, ein neues Bild anzufangen oder an einem angefangenen weiter zu arbeiten. Es ist intereßant, was ich im Nachhinein aus den Bildern lerne. Ich wünsche mir, daß durch das Auseinandersetzen mit älteren Bildern, die Fehler in neueren Arbeiten überwunden sind weil sie erkannt wurden. Alles ist ein Prozeß aus Sehenlernens, nicht nur im Stillleben. Liebe Georgia, ich würde mich freuen, wenn du die Energie, die ich empfinde, sobald ich das Bild betrachte, dich auch erreicht. Viele Grüße Astrid ![]() |