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Das Schauen nach Innen Liebe Georgia, es ist jetzt fünf Uhr morgens, draußen ist es noch dunkel und um mich herum ist alles ganz still. Zeit zum Nachdenken. Als ich aufwachte, vielen mir als erstes die Wespen ein, die in meinem Atelier bei milderen Temperaturen aus den Dachbalken fallen. Die letzten 2 Tage verbrachte ich damit über das Leben von Wespen Informationen zu sammeln. Der Auslöser war einfach der Gedanke, ob sie eine Bedrohung für mich darstellten. Stell dir vor, wie ein ganzes Wespenvolk über mich herfällt. Grund genug für Informationen. Also schlug ich nach. Ich las über das Kommunikationßystem von Wespen und daß sie über ganz bestimmte Flugfiguren für, so etwas wie Himmelsrichtungen und Blumenstandorte, verfügten. Die Darstellung der Flugfiguren wirkten auf mich, wie geheime Schriftzeichen. Jedenfalls dachte ich heute morgen daran mit diesen Hieroglyphen zu arbeiten, sie in ein Bild einzuarbeiten. Es würde wahrscheinlich gut in meine Wurzel und Samenbilder paßen. Eines Tages würde dann ein Wespenforscher dieses Bild sehen und würde als einziger meine geheime Botschaft lesen können, auf welchem Balkon in der Burgunder Straße eine Sonnenblume im Topf zu finden ist. Aber Spaß beiseite. Ich mache mir schon länger Gedanken, woher Ideen für meine Bilder kommen und mußte feststellen, daß diese Findung einem Prozeß unterliegt, der seine Zeit braucht. Es ist nicht einfach abrufbar. Die Vorstellung, daß ich 40 Stunden in der Woche in einem Beruf angebunden wäre, ist dem abträglich. Sicher könnte ich in der verbleibenden Zeit Stillleben bearbeiten, die ganz persönlichen, eigenen Bilder brauchen aber den Blick nach innen. Die Wahl der Technik, die Bildkomposition und das abstraktere Motiv müßen wachsen. Zu diesem Prozeß des Schaffens gehört zu einem großen Teil auch die Vorbereitung des Bildträgers. Ich empfinde die Leinwandherstellung als entspannende, kreative Phase, da meine Hände arbeiten und meine Gedanken bei noch zu malenden Bilder verweilt. Die Formate der Leinwände inspirieren mich ebenfalls. So erging es mir auch mit der Qualle, die unter länglichem Seegras lag. Ich fotografierte sie bei meinem letzten Urlaubsaufenthalt auf Helgoland. Dieses Foto hing ein halbes Jahr in meinem Atelier an der Wand. Als ich dann mal drei Tage lang mit Leinwandherstellung beschäftigt war, kam mir dann der Gedanke für ein Bild durch eine längsformatige Leinwand (60x150 cm). Und was dann bei rausgekommen ist, siehst du ja. Mit der Fotovorlage hat es nicht mehr so viel zu tun und ich hüte mich davor, das Bild „die Qualle“ zu nennen. Du weißt jetzt, was es ist, aber vielleicht siehst du ja doch etwas anderes in diesem Bild. Ach, was ich zum Schluß dir noch sagen wollte ist, daß nach innen Sehen auch, wenn ich es so nennen darf, den Müßiggang einschließt. Wenn ich frei bin von Verpflichtungen, bin ich auch frei für Ideen, gerade für absurde, abstrakte Ideen. Deine Astrid ![]() |