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Das Sehen von außen Liebe Georgia, habe endlich die blaue Grotte fertig bekommen. Es hat auch lange genug gedauert. Es waren bestimmt an die hundert Stunden, die es gebraucht hat. Bei keinem Bild habe ich bisher Tränen vergoßen, bis ich jenes anfing zu malen. Gleich nach dem Kürbisbild fing ich mit der Grotte zu Hause an. Für den Himmel nahm ich einen warmen Blauton und für das Waßer einen kalten. Ich legte fest, wo ich Felsen hinhaben wollte und wo es durch eine Felßpalte nach außen gehen sollte. Ich malte und malte, irgendwann kam ich an einen Punkt, wo ich nicht weiter kam und nahm es mit zur Schule, um mir helfen zu laßen. Meine Lehrerin riet mir, die Blautöne des Himmels und des Meeres umzutauschen, denn Du weißt ja, warm kommt nach vorne und kalt geht nach hinten. als ich es getan hatte, weinte ich das erste Mal. Ich weinte, weil ich in dem was ich tat, so unsicher war, sodaß ich mich überreden ließ. Mein Gefühl bestimmte die Farben. In der Grotte sollte es drinnen nicht so „gemütlich“ werden. Nun war sie es. Das nächste Mal verzweifelte ich an meinem Malmittel. Es enthielt zu viel Dammar (Baumharz) wodurch die Farbe ganz zäh war. Es wurde ausgesprochen schwierig eine ineinandergehende Spiegelung des Sonnenlichtes auf die Waßeroberfläche zu bekommen. Ich nahm viel Malmittel und ganz wenig Farbe, weil ich so die Transparenz des Lichtes und des Waßers erzeugen wollte. Ich hatte so viele Malmittel auf der Waßeroberfläche, daß sie so glatt wie lackiert wirkte. Als das Bild fertig war, konnte man gar nichts richtig sehen, weil es extrem glänzte. Als es beleuchtet wurde, verstärkte sich der Effekt. Das Licht wurde komplett reflektiert. So ging es nicht, es war nicht fertig. Ich nahm Schleifpapier und schmirgelte darauf herum. Ich nahm warmes Bienenwachs und streich es ein. Erst zu viel, war ganz schmierig, dann stellenweise zu wenig. Das dauerte. Nachdem ich dachte, einigermaßen die richtige Menge Bienenwachs gefunden zu haben, stellte ich fest, daß das Wachs dem Bild die Leuchtkraft nahm. Also mußte noch mehr Wachs runter und ich ließ ein Minimum zurück. Nach einem Jahr des Durchtrocknens, hätte ich eine matte Firnis auflegen können, allerdings hatte ich meine Zweifel, ob es nach dem ganzen Malmittel, des Schmirgelpapiers und des Bienenwachses eine Schlußfirnis so problemlos vertragen würde. Außerdem hatte ich es nach einem halben Jahr verkauft. Ach ja, vorher stellte ich noch kleine Riße in der Leinwand fest, nach Dörner ein Schönheitsfehler, die ich , nach mehreren Versuchen der hoffnungslosen Beseitigung, so stehen laßen mußte. Eine Katastrophe. Gerade mal fertig und schon kaputt. Ich verkaufte es für viel zu wenig Geld. Ich war froh es los zu sein und gleichzeitig aber auch darüber enttäuscht. Im Rückblick muß ich dir sagen, daß meine Lehrerin mit dem Farbtausch Recht hatte, es entstand auf seine Art ein realistisches Bild. Das Lasieren habe ich bei diesem Bild gelernt und konsequent durchgearbeitet. Als ich es ausgestellt hatte, schieden sich die Geister. Einige fanden es ausgesprochen ansprechend, andere dagegen lehnten das Motiv komplett ab, was ich mit Intereße aufnahm. Die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen beeinflußten mich in meinem weiteren Schaffen. Zu diesem Bild hatte ich aber keine Meinung mehr. Es war zum Schluß eine reine technische Arbeit, die mir sehr zu schaffen machte. Da die Reaktionen der Betrachter auf mich sehr intensiv wirkten, fühlte ich mich überfordert. Ich konnte es nicht mehr sehen und jetzt ist es weg. Im Nachhinein ist es schade, damals war ich darüber ganz froh. Anbei wieder ein Bild - diesmal von der blauen Grotte, bin auf deine Reaktion schon sehr gespannt. Deine Astrid ![]() |